Der Veranstalter fragt: "Kommt ihr inklusive Technik?" Und du denkst: Was genau meinst du — sollen wir die PA mitbringen, steht schon etwas, oder stecken wir nur ein? Vier Worte in einem Angebot können ein paar tausend Euro und einen halben Tag Schlepperei ausmachen. In diesem Artikel stellen wir die vier gängigen Varianten nebeneinander: was jede Variante bedeutet, worauf du achten musst und was pro Variante in deinen Technical Rider gehört.
Die vier Varianten auf einen Blick
| Nur Backline | Einstecken | Eigenes Pult an der Haus-PA | Inkl. Ton & Licht | |
|---|---|---|---|---|
| PA-Lautsprecher | Venue | Festival/Venue | Venue | Band |
| FOH-Mix | Venue | Festival-Techniker | Band | Band |
| Monitoring | Venue | Geteilt oder eigenes IEM | Band | Band |
| Backline | Band | Band | Band | Band |
| Licht & Bühne | Venue | Festival | Venue | Band |
| Soundcheck | Ja, eigener | Nur Linecheck | Ja, an der Haus-PA | Ja, komplett |
| Typischer Gig | Club, Saal | Festival | Theatertour, feste Show | Hochzeit, Firmenfeier |
Der Unterschied steckt immer in einer Frage: Wer liefert was, und wer bedient es? Geh die Varianten durch und du siehst eine gleitende Skala — von "wir bringen nur unsere Instrumente mit" bis "die Location braucht nur Strom und einen Boden".
1. Nur Backline: du die Instrumente, die Venue den Rest
Bei einer Nur-Backline-Vereinbarung bringt die Band nur die Backline mit: Instrumente, Verstärker, Drums. Die Venue oder der Veranstalter stellt die PA, das Monitoring, das Licht und den Techniker, der alles bedient.
Worauf du achten musst:
- "Es steht ein Schlagzeug" sagt gar nichts. Ohne Spezifikation weißt du nicht, ob Becken, Snare oder auch nur ein Hi-Hat-Ständer dabei sind. Die eiserne Regel: Frag genau nach, was da steht, und schreib genau in deinen Rider, was du erwartest — inklusive Markenwünschen und akzeptablen Alternativen, damit die Venue weiß, wo Spielraum ist.
- Kabel und Stative sind Niemandsland. Klärt, wer XLR-Kabel, DI-Boxen und Mikrofonstative stellt. In dieser Kategorie fehlt am Tag selbst am häufigsten etwas.
- Bitte um einen eigenen Stromkreis für die Backline. Verstärker am selben Kreis wie die Licht-Dimmer sind eine Einladung für Brummen.
- Dein Sound liegt in fremden Händen. Der Haustechniker mischt eure Show. Eine klare Channel-Liste und Monitorwünsche pro Position sind dann kein Luxus, sondern dein einziges Steuerungsinstrument.
2. Einstecken: andocken an ein laufendes System
Einstecken (auch: Festival-Setup) bedeutet, dass bereits ein komplettes System steht, das mehrere Acts nacheinander nutzen: PA, Monitore, Licht und Crew. Du steckst deine Instrumente und DIs in das vorhandene System, es folgt ein kurzer Linecheck — kein kompletter Soundcheck — und du spielst.
Worauf du achten musst:
- Der Changeover ist heilig. Fünfzehn bis zwanzig Minuten sind normal. Alles, was du vorab regeln kannst (stimmige Patch-Liste, Stagebox-Nummerierung, Funkfrequenzen durchgegeben), zahlt sich doppelt aus.
- Monitorwünsche vorab, nicht vor Ort. Der Monitor-Techniker kennt euch nicht. Mix-Nummern, Wedge oder IEM pro Position, und wer eine eigene Gruppe braucht: schreib es auf.
- Die eigene IEM-Anbindung explizit machen. Kommst du mit einem eigenen IEM-Rack, das digital ans Festival-System muss (etwa über AES50 oder Dante), beschreib genau welche Verbindung, welches Kabel und wer es stellt. Genau hier scheitern Einsteck-Shows am häufigsten.
- Markiere deine Channel-Liste als "zur Info". Der Festival-Techniker fährt den Mix; deine Channel-Liste ist Kontext, keine Forderungsliste. Ist dieser Unterschied nicht klar, liest ein Veranstalter deinen Rider als Anspruch, dass die Venue all das liefern muss — und das kostet dich Buchungen.
3. Eigenes Pult an der Haus-PA: den Mix in der eigenen Hand
Das ist die Variante mit der größten Begriffsverwirrung, denn einen Standardnamen hat sie kaum — wir nennen sie Einstecken mit eigenem Pult. Die Band bringt die Backline, das eigene Monitoring (IEM-Racks, Monitorpult) und das eigene FOH-Pult mit Techniker mit — aber PA-Lautsprecher, Licht und Bühne gehören der Venue. In der Pro-Audio-Welt heißt das mitgebrachte Paket Control Package.
Warum macht man das? Weil dein Sound mit dem Mix steht und fällt, und den willst du in der eigenen Hand behalten — während PA-Lautsprecher und Licht problemlos von der Venue kommen können. Für tourende Bands mit fester Show ist das oft der Sweet Spot: konsistenter Mix, halber Truck.
Worauf du achten musst:
- Die Anbindung ist der kritische Punkt. Wie geht dein Pult ins Haussystem? Analog links/rechts plus Subs, AES/EBU oder ein Netzwerkprotokoll? Schreib in deinen Rider, welche Verbindung du erwartest, welches Kabel du mitbringst und was du von der Venue brauchst. Ein Satz erspart eine Stunde Rätselraten.
- Der Systemtechniker bleibt bei der Venue. Die Haus-PA ist für diesen Raum eingemessen. Du lieferst einen Stereo-Mix ab; Processing und Tuning des Systems bleiben beim Haustechniker. Vereinbare, dass er anwesend ist.
- Sichere dir deinen Platz am FOH. Dein eigenes Pult braucht Platz, Strom und eine Leitung von der Bühne zur FOH-Position. Frag danach — nicht jede Venue hat ein freies Multicore oder eine Netzwerkleitung liegen.
- Lege die Verantwortungsgrenze fest. Faustregel: Die Band ist bis einschließlich Pult-Ausgang verantwortlich, die Venue ab Systemeingang. Wenn etwas brummt, weiß jeder, wo er suchen muss.
4. Inklusive Ton & Licht: alles selbst
Die Band liefert die komplette Produktion: PA, Licht, Monitoring, Techniker. Der Veranstalter muss nur Strom, Platz und eine Bühne organisieren. Typisch für Hochzeiten, Firmenfeiern und Locations ohne feste Technik — und der Grund, warum "inklusive Technik" im Angebot einen höheren Preis trägt.
Worauf du achten musst:
- Strom ist dein größtes Risiko. Spezifiziere Starkstrom (CEE 32A) oder eine Anzahl separater Stromkreise — und mach klar, dass das ein Entweder-oder ist, sonst liest der Veranstalter es als Summe und erschrickt vor den Anforderungen.
- Aufbauzeiten realistisch planen. Eine komplette Produktion aufzubauen dauert schnell zwei bis drei Stunden. Schreib Load-in-Zeit, Soundcheck und Abbauzeit in deinen Rider, mit einer kurzen Erklärung der Begriffe — eine Hochzeitslocation kennt den Unterschied zwischen Soundcheck und Linecheck nicht.
- Platzanforderungen vorab. Minimale Bühnenmaße, lichte Höhe, und ob ein Drum-Riser nötig ist. Nichts ist ärgerlicher als eine Produktion, die nicht passt.
- Lautstärke und Genehmigung. Frag nach Lautstärkegrenzen und was nach 23:00 Uhr erlaubt ist — und legt fest, wer Ansprechpartner ist, wenn der Nachbar anruft.
Entscheidungshilfe: Welche Variante passt zu deinem Gig?
- Steht schon Technik in der Location? Nein → du lieferst alles: inklusive Ton & Licht.
- Ja — teilen sich mehrere Acts das System am selben Tag? Ja → Einstecken.
- Nein — willst du den Mix in der eigenen Hand behalten? Ja → Einstecken mit eigenem Pult. Nein → nur Backline.
Im Zweifel wähle die Variante, bei der am wenigsten Technik doppelt steht: doppelt gemietetes Equipment ist verbranntes Geld, fehlendes Equipment eine kaputte Show.
Was das für deinen Rider bedeutet
Egal welche Variante es wird: Dein Rider muss den Unterschied zeigen. Ein Rider, der fordert, was die Band selbst mitbringt, macht Veranstalter nervös; ein Rider, der nicht erwähnt, was die Venue liefern muss, sorgt für Ärger am Tag selbst.
In Stageplot regelst du das so: Markiere Sektionen als "Band regelt selbst — zur Info", damit Channel-Liste und Monitoring im Rider stehen, ohne als Forderung gelesen zu werden, wähle ein Szenario-Preset passend zum Gig-Typ, gib Strompunkte pro Position an und setze deine Starkstrom-Anforderung als Entweder-oder in den Export. So bekommt jeder Veranstalter — von der Festival-Produktion bis zur Hochzeitslocation — genau die Information, die für ihn relevant ist.